Literaturhaus Salzburg

Zur Zeit finden aus Gründen des Logdowns die Lesungen in Facebook statt.
https://www.facebook.com/LiteraturhausSalzburg/

Günstig ist, dass man die Lesungen auch im nachhinein noch mitbekommt.
Die Autoren und Autorinnen freuen sich aber natürlich mehr über live-Besucher. Fragen und Kommentare sind dann möglich und eine Interaktion auch angenehmer für den Autor.

Poesie aus der Kindheit

Die Überschrift aus dem letzten Beitrag erinnert mich an meine erste Lektüre. Das waren aus schwarzem Tonpapier, durch eine Kordel zusammengehaltene Einzelblätter, die man mit Klebebildern aus den verschiedensten Märchen bestücken konnte. Diese Bildchen bekam man als Rabattmarken in seinem Lebensmittelgeschäft, wenn bestimmte Artikel, wie Kaffee, gekauft wurden.

Sonst hatte ich nichts, außer den Struwwelpeter und Max und Moritz oder noch das übliche Hainzelmännchenbuch oder Meggi im Schlaraffenland. Das wars… bis man zur Schule kam. Dort gab es die Lesebücher mit den eindringlichen Lerntexten, die eher uninteressant waren.

Die ältere Schwester las und las, was bei unserer Mutter nicht gut ankam. Deswegen habe ich erst garnicht damit angefangen. Es interessierten mich einfach keine erdachten Geschichten. Mein Alltag war spannend genug.

Poesie Alben aus der Kindheit

Schade, dass ich mein Poesiealbum irgendwann entsorgt habe.
Dafür haben wir einen Bildband beim letzten Klassentreffen bekommen.
Wir hatten uns dafür entschieden, weil wir uns seit über 20 Jahren immer wieder mal treffen und schon einige Schulfreunde verstorben sind. Es gab viele Erinnerungsfotos – also rein damit in ein schönes dickes Buch, gebunden und 80 EUR teuer.

Ich weiß nicht, aber ich glaube, der erste war Gise, der in seinem Urlaubshotel des nachts in den Pool sprang und verstarb. Er war knapp über vierzig. Weitere Freunde starben zuletzt an Krebs. Schon seit den Sechzigern versterben die Leute an den Folgen von Krebs – auch meine Eltern und Tanten. Woran mag das liegen? An den frühen Unfällen im Atomkraftwerk? Mag sein.
Ich bin jedenfalls weggezogen, augenscheinlich vom Regen in die Traufe. Denn ich erlebte hier in Oberbayern den Regen aus der Atomwolke von Tschernobyl. Gerade glücklich verheiratet und schwanger. Mein Lebensmittelgeschäft hat mich fast rund um die Uhr beschäftigt und ich besorgte einen Geigerzähler, damit ich die Joghurts messen konnte.

Die Unsicherheit war damals sehr groß. Wir gründeten Kaufgruppen und nahmen jeder einen Sack Trockenmilch für die Kinder ab. Die Bauern schütteten ihre Milch in den Kanal, was dann verboten wurde, weil das Grundwasser konterminiert werden würde. Salate aus dem Garten durfte man nicht mehr essen. Die älteren Leute machten sich nichts draus und trotz Warnung, fuhren die Schwiegereltern in die verstrahlte DDR. Nach einer Woche Urlaub bei den Verwandten, verstarben sie beide ein paar Jahre später an Krebs. Zufall?

Friedliche Begegnung

Die Taube leis den Sonntag ziert,
der Kuckuck war´s bei mir.

Eine Begegnung in whatsapp, die ich heute mit einem lieben Verwandten aus alten Tagen hatte, ermutigte mich, ein kleines Gedicht zu schreiben. Aber weit bin ich nicht gekommen… wie man sieht.

Es ist so eine gute Möglichkeit, durch die technischen Errungenschaften, alte Freundschaften wieder erblühen zu lassen.

Jeder hat sich zu einem Menschen entwickelt, den man so noch nicht kannte.

Das Alte ist vergangen und es kommt das zum Vorschein was blieb: Das Gute behaltet, das Schlechte vergesst…

Dabei ist es möglich, sich des Unguten zu besinnen und um Vergebung bitten. Das werde ich tun… denn mir ist etwas eingefallen.

Neue Kraft (Andacht)

Deswegen sind wir jetzt getröstet. Wir wurden aber nicht nur getröstet, sondern darüber hinaus erfreut, durch die Freude des Titus (dein oder mein Name), dessen Geist neue Kraft gefunden hat, durch euch alle.
2Kor 7,13 

Es waren einige Tage in der Corona-Zeit, die mir einreden wollten: „Es braucht dich keiner mehr.“ Doch dann legte ich meine Sorgen ins Gebet und lud zum letzten Stammtisch ein. Es kamen all die, die zu Anfang da waren. Wir waren ermutigt uns zu sehen und stärkten uns mit neuen Vorhaben und neuer Hoffnung.

Jetzt am Morgen der Bibeltext, wo es um neue Kraft geht und ich den Kuckuck rufen höre, ist mein Herz mit Dankbarkeit erfüllt – wie in Kindtagen.

Gebet

Dank du barmherziger und liebender HERR für Deine Gnade, die mir unverdient zukommt. Segne auch diesen Tag und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von allen Sorgen- Gedanken. Amen

Literaturhaus Salzburg Lesungen

Wen es interessiert, der kann sich die Lesungen in Facebook ansehen.
Habe heute eine Nachricht mit der Frage an das Literaturhaus gesandt,
wo außer Facebook die Lesungen downzuloaden sind. Was für ein Wort.

https://www.facebook.com/LiteraturhausSalzburg/

Ich höre mir die Lesungen gerne am nächsten Tag in Ruhe an.
Viel Spaß und gerne könnten wir am Samstag mal über eine Lesung reden oder noch besser eine eigene Lesung machen – kommt doch gegen 17 Uhr in die Videokonferenz

Danke

Immer für dich da

Benno wusste, Gott ist immer für ihn da. Was soll er also groß mit IHM besprechen? Und da ER sowieso schon alles weiß und alles im Griff hat, was muss er da noch erbitten oder dazu tun? „Ich mach meine Arbeit und fertig.“

„Ja schon“, sagt seine fromme Freundin,“aber Gott verlangt ja auch von uns, dass wir seine Botschaft weitergehen!“
„Das mag schon sein aber das können andere besser als ich und übrigens gibt es ja schließlich die studierten Theologen, die das gelernt haben. „

Sie gibt auf, denn es endet ja doch wieder im Streit. Sie ist völlig aufgewühlt, weil er doch gesehen hat, dass selbst ein Dr. Titel keinen Christen, schon gar keinen Frommen aus einem Menschen macht. Wie kann er nur so reden? Es ist wieder eine typische Anfechtung auf ihren Friedenszustand. Als hätte sie das nicht schon oft erlebt. Also beruhigt sie sich selbst und schlägt „rein zufällig“ den Text auf: Epheser 4,20 Ihr aber habt Christus nicht so kennengelernt;
und den neuen Menschen angezogen, der nach Gott geschaffen ist in wahrhafter Gerechtigkeit und Heiligkeit.

Sie ist wieder beruhigt und ärgert sich, weshalb sie schon wieder hereingefallen war auf die Anfechtungen des Glaubens.

Muttertag

Verachte deine Mutter nicht, wenn sie alt geworden ist.
Sprüche 23,22

Der von der Methodistin Anna Marie Jarvis eingeführte Feiertag wurde schon bald kommerzialisiert, was ihr so gar nicht gefiel. Sie wollte der Mutter den von Gott bestimmten Wert neu zusprechen.

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Muttertag erinnert mich an Sorge und Glück,
an diesem Tag spielen meine Gefühle verrückt.
Erwartungen zu haben an die Kinder, durch Dank,
das hänge mal schön in den alten Schrank.

iwi (2020)

Die Freiheit des Alters

Der alte Mann hatte noch neue Ideen. Er kümmerte sich nicht mehr viel um die Mitmenschen, die sich oft durch Neid berufen, gegen ihn zusammenrotteten, ihm Schaden zufügten und unterdrückten. Er will sich rein halten, von unguten Beziehungen. Ablehnung und Feindschaft kannte er vom Mutterleibe an. Jetzt ist es an der Zeit, sich dem Schönen, Guten und Wahren gänzlich zu widmen, unabhängig von den Angriffen der Pöbler.

Das Licht scheint hell und kann das Dunkel überwinden, wie das Tageslicht der Nacht den Stachel nimmt. Er hat sich vorgenommen, sein Licht nicht mehr unter den Scheffel zu stellen, sondern die Dunkelheit der Welt, mit seinen guten Worten und Taten zu überwinden.

Gut so!

Unterhaltungs-Blatt

(Illustrierte des 19 Jahrhunderts)

1856 – Elter Jahrgang – Nr. 47

Novellen und Erzählungen

Aus einem Bücher-Basar in Ingolstadt
Wenn ich das Buch aufschlage, öffnet ein säuerlich-modriger Dunst sein Tor. Man kommt auf Idee, dass es sich hier um uralte Keime handelt, die sich bis hinein in die Lunge ausdehnen um zu infizieren. Ähnlich wie es zur Zeit der Corona-Virus tut. Deshalb fotografiere ich im Freien den Text um ihn überhaupt lesen zu können. Hier eine amüsante Kostprobe vom vorletzten Jahrhundert. Das war noch vor der französischen Revolution.

Tagebuchauszug eines Mormonen-Ältesten

Des HERRN Hand lastet schwer auf seinen Heiligen! Unsere Frauen werden widerspenstig. Das Ungeheuer Mode, dessen Schwert die heiligsten Satzungen trennt, ist aus dem Babel des Westens zu uns gedrungen, und verrückt die Köpfe unserer Weiber und beraubt ihre Herzen der Demut und lässt sie vergessen, dass der Mann Herr des Weibes sein soll. Wie wird das enden! – Martha, meine 38. Frau, verlangte gestern eine Trinoline von mir. Ich versprach sie ihr, da sie sonst Krämpfe bekommen hätte. Natürlich werden sich nun aber die anderen 37 auch bald melden! Wo soll da Platz in meinem Hause herkommen, wenn 35 Frauen in bauschender Trinolinen darinnen umherrauschen! Ich werde dazwischen verschwinden, wie die Maus zwischen Elefanten!
– Gestern war es schrecklich! Ich hatte Hannah, meiner 20igsten, einen rosa Hut geschenkt, den sie mir in einer schwachen Stunde abgelockt hat. Ich bat sie, dies Geschenk vor den andren Frauen zu verheimlichen. Nun brüstete sie sich erst recht damit und ich sah mich innerhalb einer Stunde von 27 Frauen umzingelt, die sämtlich rosa Hüte verlangten. Ich fasste einen frischen Mut und schlug es ab. Wehe mir! Sofort fielen einige in Ohnmacht, andere bekamen Lach- und wieder andere Weinkrämpfe; kurz, es offenbarten sich so gefährliche Symptome, dass ich schleunigst einen allgemeinen Hutkauf versprechen musste, wenn ich nicht endlich zwischen Leichen als die einzige fühlende Brust dastehen wollte – oder umgekehrt.
– Susanna, meine 14te, hatte gestern die Frauen vom Ältesten Schmith, 30 an der Zahl eingeladen, Anna meine 15te, aber die 25 Frauen des Bruders Masham. Natürlich war kein Platz im Hause und es erhob sich ein Streit, der mit Schlägen endete. Wer Recht behalten hat, weiß nicht, denn ich floh beim Beginne des Zwistes in ein Asyl des Durstes zur Quelle Kidron.
– Katharine, meine 37ste Gattin , machte mir heute den Vorschlag, einen Ball zu geben. Das fehlte mir noch! Wo Tänzer für die Frauen und Mädchen herbekommen? Und dann würde ich tanzen sollen, ich , der ich jetzt vor Verzweiflung bisweilen springe. Andere würden auch Bälle geben und ich müsste alle meine 38 besseren Hälften hinführen! Und die neuen Ballkleider und Coiffuren! Mir schauert schon bei dem Gedanken.

Ich bin ein glücklicher Mann! 38 Herzen nenne ich mein, und kann keinen Strumpf gestopft bekommen! Meine Hauswirtschaft ist eine entsetzliche Wirtschaft! Oft kann ich kein Essen kriegen, denn jede meiner Frauen behauptet: an ihr sei das Kochen nicht. Und die Kinderziehung!!! Herr strafe mich nicht zu hart! Nun halt Ichs nicht mehr aus. Martha hat von der Trinoline geplaudert und nun will der ganze weibliche Staat Trinolinen haben. Alle Frauen sind in offener Rebellion und wir müssen das Entsetzlichste befürchten. Ach! Wären doch die Bundestruppen schon eingetroffen! Ich nähme sofort 38 Mann in´s Quartier.

Pierre Mouton: Erzählung nach dem französischen von Paul Cliffon